Wirtschaftswachstum und seine Grenzen

Umwelt-Manager-Tag  2007  Frankfurt am Main

umt_07In Zusammenarbeit mit dem Verband für nachhaltiges Umweltmanagement (VNU) hat die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main am 19. März 2007 zum Umwelt-Manager-Tag 2007 eingeladen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Grenzen des Wachstums. Hier ist ein kurzer Bericht von ip-builing.


Zu den Referenten gehörten:

Michael Müller, parlamentarischer Staatssekretär im BMU,
Dr. Dipl.-Ing. Hartmut Bossel, Systemwissenschaftler und
Daniel Cohn-Bendit, Ko – Fraktionsvorsitzender der Grünen im Europäischen Parlament

Die Themen waren:

Position des BMU zum Thema Wachstum und seine Grenzen (Michael Müller, parlamentarischer Staatssekretär im BMU)

Grenzen des Wachstums – das 30 Jahre Update (Dr. Dipl.-Ing. Hartmut Bossel, Systemwissenschaftler)

Wirtschaftswachstum und seine Grenzen (Daniel Cohn-Bendit, Ko – Fraktionsvorsitzender der Grünen im Europäischen Parlament)

Danach nahmen an der Podiumsdiskussion teil:

Dr. Dipl.-Ing. Hartmut Bossel, Systemwissenschaftler
Dr. Werner Neumann, Energiesprecher vom BUND
Gerd Billen, Leiter des Bereichs Umwelt- und Gesellschaftspolitik Otto Group
Dr. Peter Saling, Leiter Ökoeffizienzanalyse BASF AG
Dr. Gerhard Köpernik, BMWI
Ulrich Martin Descher, Moderator

Als erster Referent des Umwelt-Manager-Tages stellt Michael Müller 3 wichtige Punkte für politische und gesellschaftliche Entscheidungen zu Diskussion:

1. nachholende Industrialisierung von Schwellenländern:

Schwellenländer wie Brasilien, Indien, Mexiko und Südafrika befinden sich in einem Aufholprozess hinsichtlich ihrer Industrialisierung. Ziel von ihnen ist es, sich dem Wirtschaftsniveau und Pro-Kopf-Einkommen von Industrieländern anzunähern. In ihrem Eifer verpassen sie die Chance, die Folgen des Klimawandels zu bedenken, genauso wie die heutigen Industrieländer vor 30 Jahren. Dabei ist zu befürchten, dass Emissionen, Abfallmengen und Rohstoffverbräuche rapide ansteigen, was dazu führt, dass das Verhältnis Mensch – Umwelt zu kippen droht.

2. Klimawandel und dessen Konsequenzen:

Nach aktuellen Messungen haben wir zurzeit die höchste Konzentration an Treibhausgasen seit Jahrhunderten, den höchsten Anstieg der Temperatur (steigend), 30 – 40 % mehr Regen, Erwärmung des Nordpols, Versauerung des Nordatlantiks, etc.
Wenn wir nicht schnell diesem Vorgang des Klimawandels entgegenwirken, sind langfristige irreversible Schäden zu erwarten, welche unsere Lebensgrundlagen stark gefährden.

3. Verknappung natürlichen Rohstoffe:

Länder wie Saudi-Arabien, mit wichtigen Öl-, Uran- oder Gasvorkommen, werden in den nächsten Jahren den Höhepunkt ihrer Förderung überschreiten und sind nicht mehr in der Lage den Energiemarkt zu versorgen. Das bedeutet, dass schon weit vor dem Versiegen der Ressourcenquellen, ein drastischer Preisanstieg die Weltwirtschaft belastet. Länder wie Deutschland, die in hoher Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland stehen, sind davon massiv betroffen.

Welche Chancen haben wir dieser Entwicklung entgegen zu treten?

1. Energieeinsparung durch Effizienztechnologie (z.B. KWK)
2. dezentrale Stromversorgung
3. Durchbrechen der Kurzfristigkeit (hin zu langfristigem, zukunftsorientiertem Denken)
4. Steuerung des Globalisierungstrends über die Kapitalmärkte
5. Nachhaltigkeit (statt Aufkaufanstatz wie in Russland und China)
6. Effizienzsteigerung
7. Ausbau der Erneuerbare Energien (Vorbildfunktion für andere Länder)

Ziele der Politik (Soll):

1. Energieversorgung umstellen auf Energiedienstleistung
2. Solarprogramm aufstellen
3. Aufforstungsprogramm zur Sicherung der Wälder
4. weitgehender Verzicht auf Chlor in der Chemieindustrie
5. Sicherung von biogenen Faktoren in der Landwirtschaft

Das Thema Klimaschutz ist kein mediengepuschter Trend, was das von der Meadows-Gruppe entwickelte Simulationsmodell World3 zeigt, das schon 1972 die globalen „Grenzen des Wachstums“ aufzeigte. 30 Jahre später erschien die neue Buchveröffentlichung des Meadows-Teams „Die Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre-Update“.
Einen Einblick dazu gab Dr. Dipl.-Ing. Hartmut Bossel an dem Weltmodell World3 – 03.
Die hier aufgezeigten 10 Welt-Szenarien bis zum Jahre 2100 sind in 4 Teilmodellen gegliedert, die wiederum mehrere Systemparameter enthalten:
Sozial-Bereich (z.B. Bevölkerungsanzahl und ihrer Wachstums- und Sterberate),
Politik-Bereich (z.B. Eingriffsparameter und Wohlstandsindex),
Ökonomie-Bereich (z.B. Produktivität in der Ländwirtschaft) und
Ökologie-Bereich (z.B. Umweltbelastung, endliche Ressourcen, Landentwicklung).

In der europäischen Energie- und Klimapolitik hat sich die EU-Ratspräsidentin Angela Merkel zum Ziel gemacht, die CO2 – Werte bis 2020 um 20% zu senken. Das Gute daran ist, so Daniel Cohn-Bendit, dass damit durchgesetzt ist, dass nun alle nachhaltig denken wollen, alle akzeptieren, dass sich etwas ändern muss und das Thema Klimawandel ernst nehmen. Nachteilig ist, dass die CO2- Werte von 1990 zugrunde gelegt werden, “ das Jahr, in dem die DDR Deutschland wurde „. Etwas überspitzt machte er damit klar, dass die CO2 – Werte in Deutschland von 1990 stark beeinflusst wurden von der ehemaligen DDR, mit ihrer sehr CO2 – intensiven Industrietechnik. In Deutschland ist der Ausstoß an CO2 zwischen 1990 und 2002 um 13,3 Prozent gesunken.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, den Daniel Cohn-Bendit anspricht, ist der Faktor Mensch in der Klimaschutz – Gleichung. Der Klimawandel ist nicht eine rein technische, sondern eine geistige Revolution.

Sind wir zur Nachhaltigkeit fähig?
Sind wir fähig, kollektiv zu denken?
Sind wir bereit, uns selbst zu begrenzen?

Ihre Meinung interessiert uns sehr!

Kontakt für Fragen, Anregungen, Informationen zu diesem Thema:

Senden Sie uns eine Mail (Info-AT-ip-building.de) oder rufen Sie einfach an
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Photo:
Olga Pitschujew, operative Planung Ö-Pro e.V.
studentisches Netzwerk für nachhaltige Entwicklung