Klimaschutz in Frankfurt – Erfolge und Perspektiven

ebelingWortlaut der Rede gehalten von Jutta Ebeling, Bürgermeisterin und Stadträtin für Bildung und Frauen, der Stadt Frankfurt am Main im 10. TIP Dialog Forum :
„Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich muss schon sagen, es ist mir eine Ehre, das Grußwort zum 10. Geburtstag Ihres TIP Dialog Forums halten zu dürfen. Immerhin, war ich auch schon bei der Geburt am 5. Februar 2003 dabei und wie das Interesse der Teilnehmer, die Bandbreite der Themen und die Reputation der Rednerinnen und Redner zeigt – das TIP Dialog Forum hat sich gut entwickelt. Herzlichen Glückwunsch für die nächsten 10 Runden.

Mein Thema heute ist eigentlich nicht viel anders als vor fast 5 Jahren – Klimaschutz in Frankfurt – Erfolge und Perspektiven, aber es hat sich in diesen 5 Jahren einiges verändert. Dazu zählen drei wichtige Dinge:

Der Klimaschutz ist in der Öffentlichkeit präsent geworden, nicht nur durch einen heißen Sommer 2003 sondern auch durch die Berichte des Weltklimarates und den Bericht von Nikolas Stern. Kernpunkte sind – der Klimawandel wird kommen, unser Energieverbrauch ist daran schuld, aber wir können noch sehr viel tun.

Zweitens – wir können mit Klimaschutz sogar Geld verdienen. Meine immer wieder beschworene Zusammenführung von Ökologie und Ökonomie wird nun zur allgemeinen Erkenntnis.

Drittens – in vielen Bauprojekten in Frankfurt werden nun Klimaschutz und Energieverbrauch berücksichtigt und wahrgenommen. Wie viel CO2 kommt bei Ihrem Projekt denn heraus und wie viel sparen Sie ein ist keine esoterische Frage mehr, sondern ist nicht mehr wegzudenken.

Dazu hat auch das TIP Dialog Forum beigetragen. Die Stadt Frankfurt hat nach nun über 15 Jahren Erfahrung im kommunalen Klimaschutz eine neue Runde von Grundsatzbeschlüssen gefasst. Wir erstellen derzeit eine aktuelle Energie- und CO2-Bilanz. Wir haben beschlossen, nur noch Passivhäuser zu bauen. Es werden nur noch Erdgasfahrzeuge bestellt. Systematisch werden die Gebäude modernisiert. Die Stadt und ihre Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding bauen nur noch Passivhäuser. In unseren Schulen haben wir eine Klimaschutzoffensive mit einem 10-Punkte-Plan gestartet, nach dem z.B. keine Glühbirnen mehr eingesetzt werden, wir Modernisierung von Gebäude und Heizung kombinieren und Dächer Dritten für den Bau von Solarstromanlagen zur Verfügung gestellt werden. Wir haben die Kraft-Wärme-Kopplung in Frankfurt ausgebaut, mit einem großen hocheffizienten Gas- und Dampfkraftwerk, mit einem Holz-Heizkraftwerk. Zusätzlich haben wir nun schon 120 Blockheizkraftwerke, die im ganzen Stadtgebiet verteilt sind, in Bürogebäuden, Krankenhäusern, Schwimmbädern oder Versorgungs-gebieten für Stadtbezirke.

Energie einsparen und Komfort – dafür steht das Passivhaus. Energie effizient umwandeln und nutzen – dafür steht die Kraft-Wärme-Kopplung. In beiden Bereichen wollen wir auch weiterhin bundesweit eine führende Rolle einnehmen! Und wir bieten allen in Frankfurt an, mitzumachen! Wir haben eine breite Palette von Angeboten für unsere Bürgerinnen und Bürger aufgebaut zum Energiesparen, oft zusammen mit Partnern. Mit dem Land Hessen, mit Energieberatungsbüros und den Schornsteinfegern bieten wir mit der Frankfurter Energiesparaktion eine einfache und wirksame Energie-beratung an. Mit Partnern auf Bundesebene bieten wir den Frankfurter Heizspiegel an, mit dem man seine Abrechnung prüfen kann. Wir werden im nächsten Jahr noch weitergehen und im Frankfurter Mietspiegel den Energieverbrauch einbeziehen. Nächste Woche starten wir mit 10 Frankfurter Betrieben, darunter mehrere Finanzdienstleister, ein Energieunternehmen, einer Großkelterei, einem Krankenhaus und einem kirchlichen Betrieb das Projekt ÖKOPROFIT Frankfurt – eine Workshopserie für betrieblichen Umweltschutz und Kostensenkung.

Und seit einem Jahr haben wir zusammen mit dem Caritasverband das Angebot Cariteam Energiesparservice entwickelt. Hier wird Haushalten mit geringem Einkommen eine Energieberatung zuhause angeboten mit dem 10-20% eingespart werden kann. Zudem ist dies ein Qualifizierungsprojekt für Arbeitslose. Aktuell hat die Stadt Frankfurt beschlossen, ab dem 1. Januar zu 100 % Ökostrom für ihre Ämter zu beziehen – die Hälfte aus erneuerbaren Energien mit der Förderung neuer Anlagen gemäß dem „Grüner Strom Label“- die andere Hälfte aus Kraft-Wärme-Kopplung.Wir gehen nun noch einen Schritt weiter und werden im nächsten Jahr den ersten kommunalen (und auch bundesweiten) Stromeffizienzfonds einrichten. Zwei Jahre nachdem eine Richtlinie der Europäischen Kommission die Länder aufgefordert hat, Instrumente zur Förderung der Energieeinsparung einzurichten, ist leider auf Bundesebene hierzu – trotz vieler Studien und Forderungen – nichts erfolgt.

Wir werden beginnen, in Frankfurt ein Einsparkraftwerk zu bauen, wir werden belohnen, die Strom einsparen und effizienter nutzen. Das hilft Haushalten und Betrieben am meisten. Das bringt am meisten für den Klimaschutz, denn Strom hat die höchsten CO2-Emissionen. Und das ist preisgünstiger und weitaus umwelt-freundlicher, als alte Atommeiler wieder anzuwerfen oder neue Kohlekraftwerke zu bauen. Wenn wir zum einen den Verbrauch mit Energieeffizienz weiter senken und zweitens beginnen die benötigte Energie selbst, wenn möglich aus erneuerbaren Energien, herzustellen dann werden wir auch die CO2 Einsparziele der Bundesregierung erreichen.

Sie sehen an dieser Aufzählung, dass Klimaschutz und Energieeffizienz ein Thema mit enormer Bandbreite ist – man muss maßgeschneiderte Angebote entwickeln und die sehen für Haushalte eben anders aus als für Schulen oder für Bürohochhäuser. Wir gehen hier nicht nur voran, wir möchten zeigen, was machbar ist, und hoffen, dass viele mitgehen! Und hier setzt das TIP Dialogforum an: Durch die Beispiele aus der Praxis wird vorgestellt was machbar und nachahmenswert ist. Der Dialog über die fachlichen Disziplinen hinweg reduziert Sprachbarrieren und fördert interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Über den frühzeitigen Kontakt zu Investoren erhalten alle Beteiligten die Möglichkeit, Bauprojekte von der ersten Phase an in Fragen der Energie-Effizienz zu diskutieren, zu beraten und zu planen.

Das TIP Dialogforum ist eine Öffentlich – Private – Partnerschaft der besonderen Art. Durch die Kooperation von auf den ersten Blick sehr ungleichen Partnern: Unternehmen, kommunalen Institutionen und Beratern wird der interdisziplinären Dialog zwischen Investoren, Betreibern, Architekten sowie Forschung und Entwicklung gefördert. Nachhaltigkeit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit stellen keine Gegensätze dar, sie sind Leitbilder der Beteiligten, die durch frühzeitige Beteiligung an Planungsprozessen erreicht werden. Das gemeinsame Ziel: Bei neuen Bauvorhaben energieeffizient zu planen und zu bauen.

Das in Frankfurt von Siemens, ip-building und dem Energiereferat initiierte TIP Dialogforum ist eine Modellprojekt. Mittlerweile gibt es dieses Projekt auch in München und Stuttgart, und auch in Moskau hat bereits ein TIP Forum stattgefunden. Und über das Städtenetzwerk Energie-Cites wird diese Form der „Private-Public-Partnership“ nun auch in Europa bekannt gemacht. Bei Vorträgen in Sevilla, Krakau und Rimini ist das „Frankfurter Modell“ bereits auf großes Interesse gestoßen. Und auch in Frankfurt ist das Interesse an dem TIP – Dialogforum weiterhin ungebrochen, wie die Teilnehmerzahlen belegen.

Ich bedanke mich bei der Firma Siemens für Ihr Engagement und bei ip-building für die gute Organisation und hoffe auf viele weitere TIP-Veranstaltungen in Frankfurt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen alle hier vertretenen Unternehmen aufzufordern ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen: Am 8.12 zuvor sind alle aufgerufen, ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen, ich schließe mich dem Aufruf der Umweltverbände und des Deutschen Städtetags an – dass alle am Samstag, 8.12. um 20 Uhr für 5 Minuten das Licht ausmachen. Und wenn Sie es wieder anmachen, sollten Sie eine Stromsparlampe reinschrauben! Und ich würde mich freuen, wenn Sie auch in Ihren Unternehmen sich dabei konkrete Ziele fürs nächste Jahr für den Klimaschutz vornehmen – wir freuen uns auf Ihre Unterstützung.

Rede im 10. TIP Dialog Forum in Frankfurt am Main gehalten von
Jutta Ebeling, Bürgermeisterin und Stadträtin für Bildung und Frauen, Frankfurt am Main